Die Software der Computertechnik ist ein überaus geeignetes Erklärungsmodell

für die immaterielle Beschaffenheit der Zeit

 

Es gibt zahlreiche Lösungsansätze, um das Phänomen „Zeit“ zu enträtseln. Mein Denkansatz hier: Es kommt vor allem darauf an, das Phänomen „Zeit“ als nur eine Art Sinnestäuschung zu „entlarven“. Nach der gebräuchlichen Auffassung von der Zeit geht es durchweg darum, Zeit in größeren oder kleineren Ausdehnungen verstehen zu wollen. Ich stelle dem die Behauptung entgegen: Immer, wenn Zeit in irgendeiner Form von tatsächlich real existierenden Zeitspannen verstanden werden soll, so hat man es hier mit einer besonderen Art von Sinnestäuschung zu tun. Es gibt keine real existierenden Zeitspannen; was wir als Zeitspannen erleben ergibt sich in seinem Zustandekommen allein durch unsere Befähigung, in  unserem Inneren unablässig „Zeitspeicherungen“ zu bewirken und von daher entscheidend unsere Lebensentfaltung zu steuern.    

Vorweg noch dieser Hinweis: Ich verstehe dies alles als einen in seiner Gesamtheit real vorgegebenen immateriellen Vorgang. Die Herausforderung für Denken und Erkenntnisgewinn hierbei - man sollte sich einfach einmal unvoreingenommen damit beschäftigen, auf welche Weise wir es durch das Vorhandensein von „immaterieller Realität“ mit einer besonderen Form von Wirklichkeitsgeschehen zu tun haben.

In meinem Text „Enträtselung der geheimnisvollen Zeit“ beschreibe ich, warum es einerseits im gesamten Wirklichkeitsgeschehen nur ein ununterbrochenes Fließgeschehen gibt ohne jedes Vorhandensein von nebenher auch noch tatsächlich existierenden Zeitspannen, warum wir andererseits dennoch unbedingt und sehr planvoll über konkrete Zeitvorstellungen verfügen. Der Grund für dieses Auseinanderklaffen von tatsächlichem Wirklichkeitsgeschehen und „individuell erlebter Zeit“: Alle Lebewesen vermögen es durchaus und nachhaltig, ausgedehnte Zeitspannen mit Hilfe ihrer inneren molekularen Steuerungen für die eigene Lebensentfaltung zustande zu bringen.

Im Folgenden will ich auf dieser Grundlage die „Funktionsweisen“ erläutern, durch die die obigen Phänomene zu kaum überwindbaren Sinnestäuschungen werden.      

Alles hat damit zu tun, dass wir – wie alle Lebewesen – in unserem Inneren über eine „Selbststeuerung“ verfügen, die quasi zu einer gewissen Loslösung von rein materiell-physikalischen Vorgängen führt. Die Besonderheit beim Menschen: Mit seinem Bewusstseinsvermögen erschafft er sich völlig eigene Weltbilder und sehr subjektive Wirklichkeitsvorstellungen. - Hier finden wir den Einstieg zu  dem tatsächlichen Vorkommen von „immateriellen Vorgängen im realen Geschehen“.

„Immaterielle Vorgänge im realen Geschehen“ – unser gesamtes Leben wird davon beeinflusst und gesteuert. In „immateriellen Steuerungen“ findet das Verwirrspiel von „tatsächlicher Wahrnehmung“, „Irreführung durch Sinnestäuschung“ und auch das „Abgleiten in nur spekulativ ersonnene Vorstellungswelten“ statt.   - Ganz besonders deutlich wird diese Sachlage durch unser übliches Zeitverständnis! Dieses übliche Zeitverständnis beruht auf inneren Steuerungsvorgängen, die in die Kategorie „immateriell“ gehören.   

Um diese Sinnestäuschung leicht verständlich einsichtig zu machen muss man hierzu nur auf die Eigenarten der Computer-Technik verweisen. Hier gibt es im heutigen Technikverständnis als eine „Selbstverständlichkeit“ die beiden ganz klar abgrenzbaren Bereiche: Zum einen das „Materielle“, zum anderen das „Immaterielle“. Das Materielle ist die Hardware, also alles das, was aus zusammengefügten und fest verdrahteten Werkstoffen vorfindbar ist. Das Immaterielle ist in Abgrenzung dazu die Software – ein Technikbereich, der nur aus „Anweisungen“, „Anleitungen“, „Abspielbefehlen“ usw. besteht. All diese „Anweisungen“ müssen zwar auf irgendeinem stofflichen (materiellen) Medium gespeichert sein; aber Inhalt und sämtliche damit verbundenen Auswirkungen sind in einem ersten Schritt stets „immateriell“: Was hier unbedingt tatsächlich existiert, gerade das ist eben nicht als ein materieller Vorgang zu erfassen; es ist ein reines immaterielles Gedankenprodukt.

Mit dem Vorhandensein der Computertechnik machen wir also in größter Selbstverständlichkeit die Bekanntschaft mit einem „speziellen“, eindeutig bestimmbaren immateriellen Kulturgut der Menschheitsentwicklung: Die jeweilige Software lässt sich klar definieren. Es lässt sich deutlich eingrenzen, in welchen Auswirkungen eine beliebig verwendbare „materielle“ Hardware von dieser Software gesteuert wird. (Zu der jeweiligen Software gibt es z.B. sehr konkrete Vorstellungen, in welchem Umfang hier geistiges Eigentum mit zugehörigen präzisen Rechtsansprüchen vorliegt.)      

„Zeit“ als ein wichtiger Bereich unseres Existierens,  diese Anschauungsweise ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Warum wir es hier dennoch mit einer Art Sinnestäuschung zu tun haben – dazu ein Ausflug in das Wirklichkeitsverständnis  und in die generelle Vorgehensweise der Physik.

Für die überragenden Forschungsleistungen in der Physik ist es ziemlich bedeutungslos, ob hier in einem letzten Verständnis jedes Forschungsbereiches Sinnestäuschungen vorliegen oder nicht. Die Erfolge der Physik beruhen darauf, dass alle Daseinserscheinungen nach ihren im weitesten Sinn „mechanischen“ Bezugswerten vermessen wurden. Was auf diese Weise nur irgend ausmessbar auszumachen war, das wurde in seinen Bezugswerten mit kompliziertesten Berechnungsmethoden exakt erfasst. Und hier gibt es dann auch die physikalische Größe „Zeit“. - Welche  „Wertigkeit und Beschaffenheit“ hat die Zeit in diesem Zusammenhang?

Welche Bedeutung die „inhaltliche Beschaffenheit“ der Zeit dabei eigentlich zukommt ist für die Physik von „zweitrangiger“ Bedeutung. Zeit wird als Vermessungsgröße erfolgreich mit den Messwerten eingesetzt, wie sie mit jeweils zuverlässig „gespeicherten Ausgangsgrößen“ vergleichbar sind. Ob es sich hierbei eigentlich um „immaterielle“ Ausgangsgrößen handelt, diese Frage stellt sich hier in der Forschung kaum noch, das physikalische Lehrgebäude hat unabhängig von dieser Fragestellung inzwischen eine höchste Perfektion gefunden…

Für ein allgemeingültiges Daseinsverständnis ist es aber nicht bedeutungslos, welche Bewandtnis es letztlich mit der Zeit hat.

Denn wenn wir (wie ich behaupte) mit „Zeit“ allein deswegen zu tun haben, weil all unsere Zeitvorstellungen nur als „immaterielle“ innere Steuerungen zustande kommen, dann sollte es eigentlich von höchster Bedeutung sein, wie realitätsnah wir das wahrnehmbare Außengeschehen in einer „inneren Verarbeitung“ zutreffend erfassen.

Ich greife auf das obige Computerbeispiel zurück: Die dabei zur Anwendung kommende jeweilige immaterielle Software steuert die geeignete vorhandene Hardware immer nur so zuverlässig, wie sie fehlerfrei als Anwendung für die materielle Beschaffenheit der Hardware programmiert ist.

Aber was ergibt sich aus diesem ganz simplen Anwendungsbeispiel für die als Funktionsweise unserer gesamten Lebensgestaltung?

Materielle „Hardware“ in unserem Dasein sind die um uns herum tatsächlich ablaufenden Geschehensabläufe. Wir haben es da (behaupte ich) mit einem konkreten unaufhörlichen Veränderungsgeschehen zu tun; das ist die materielle Hardware, die unserem gesamten Leben „faktische“ Realität gibt. Weil wir zu diesem unaufhörlichen Veränderungsgeschehen aber aus unserem Inneren heraus planvolle Steuerungen bewirken können, erschaffen wir auf diese Weise ein immaterielles ausgedehntes Zeitgeschehen. Es ist ein immaterielles Zeitgeschehen mit allen realen Auswirkungen, wie sie eben gerade durch diese Steuerungen nur irgend vorkommen können.

Allein auf unsere alltägliche Zeitplanung bezogen bedeutet dies z.B.: Wenn wir Zeitabläufe unter  Kontrolle behalten wollen, greifen wir auf Uhr und Kalender zurück. Bei Unaufmerksamkeit werden Fehler klar erkennbar. (Es wäre also eine Sinnestäuschung, wenn man hier die Software als etwas materiell Stoffliches verstehen wollte.)

Aber noch einmal zurück zu der uns in Selbstverständlichkeit vertrauten Computertechnik: Inwieweit hier eine Analogie zu der Vorstellung von einer tatsächlich „greifbar vorhandenen“, tatsächlich aber nur „immateriell existierenden“  Zeit gegeben ist dafür finden sich genügend Beispiele. Hier wäre zunächst einmal unbedingt dieser Hinweis angebracht: Wenn ein Programmierer bei der Kreation des geistigen Produktes „Software“ schlampt, dann hat das meist ganz klar erkennbare Auswirkungen bei dem Gebrauch der davon abhängigen Hardware. Es kommen eindeutig auszumachende fehlerhafte Resultate zustande; die verursachenden Programmierschritte müssen „storniert“ werden, in einem neuen Anlauf muss ein in sich stimmiges neues Konzept entwickelt werden. – Dieses Beispiel soll verdeutlichen: es gibt mit der „Computersoftware“ in der Menschheit ein spezielles immaterielles Kulturgut, bei dem es in seltener Einmaligkeit darauf ankommt, dass das jeweils rein immateriell Erschaffene überaus präzise und fehlerfrei auf den „materiellen Hardwarebereich“ abgestimmt sein muss; jede Unkorrektheit erzeugt desolate Folgewirkungen.

Ich halte diesen Umstand für außerordentlich beachtenswert, weil – wie ich meine – im geistig-immateriellen Bereich in der Menschheit im Übrigen oft genug ungeheuer geschlampt wird.

Mit der Software „Zeit“ bewirkt der Mensch bis zur höchsten Beliebigkeit seine eigene Lebensgestaltung. Wenn hier alles „lebenswahr“ (d.h. in Beachtung der tatsächlich vorgegebenen Daseinsbedingungen) vor sich gehen soll, dann gibt es hier „klare Grenzen“: Was alles „der Mensch“ kreativ „geistig“ zustande bringt, das geschieht in den „funktionellen aber immateriellen Techniken“ der Zeit; es wird dabei fast nur immaterielle Gestaltung bewirkt. Damit hier dann aber alles überhaupt weitgehend empirisch abgesichert verlaufen kann ist begleitend eine durchgehend skeptische Grundeinstellung angebracht: Man sollte aus einer allgemeingültig vertretbaren Erkenntnisfähigkeit heraus  jeder Form von „geistigen spekulativen Höhenflügen“ stets überaus kritisch gegenüberstehen.   

 

È