Einleitendes

 

Warum eine Textsammlung unter dem exotisch anmutenden Titel „Sternenstaub-Verwandlungen“? 

Die Formulierung „Sternenstaub-Verwandlungen“ wähle ich als einen überaus geeigneten Orientierungsansatz, weil sich an so einem Merkpunkt einiges grundlegend abklären lässt: Woher wir kommen – das wissen wir nicht; wir wissen auch nicht, wohin wir gehen werden. Aber in welches kosmische Gesamtgeschehen wir eingebunden sind, darüber hat die Naturwissenschaft inzwischen einiges in Erfahrung gebracht. 

Stefan Klein hat für die Veröffentlichung seiner Gespräche mit Wissenschaftlern über die Rätsel unserer Existenz den Titel gewählt Wir alle sind Sternenstaub (S.Fischer Verlag 2010). Darin finden wir aus dem Gespräch mit dem Kosmologen u.a. die Textstelle: „Die Sterne sind uns viel näher… Dort herrschen dieselben Naturgesetze  wie auf der Erde, nur unter extremen Bedingungen. Immerhin ist der Kosmos unser Lebensraum… Und schließlich sind wir selbst Sternenstaub.“ – Dies ist für mich ein Denkansatz zu einigen dieser grundlegend offenen Fragen: Warum einerseits unsere körperliche Beschaffenheit der Ursprung in dem anscheinend „einfach strukturierten“ und auch so klar erforschbaren „Sternenstaub“ hat, warum andererseits das inzwischen bekannte Bedeutungsgeschehen der Menschheitsentwicklung in seiner unbegreiflichen Vielfalt zustande kommen konnte. Dieser Fragenbereich wird immer rätselhaft bleiben. Aber es sollte hier doch auch in einem stetigen Verlauf fortwährend gelingen, einiges an Unklarheiten weiter zu entwirren. Damit beschäftige ich mich.       

Seit März 2009 veröffentliche ich eigene Texte auf meiner Homepage www.kant-kosmos-reales.de unter dem Titel Mainstreamskeptizismus.

Mainstreamskeptizismus ist eine Sammlung von Essays in einer größeren Themenbreite; alles wird hier getragen von meiner Grundhaltung in humanistischer Ausrichtung zu den allgemeinen Bereichen: Realgeschehen als ‚Orientierungsverankerung‘, Zusammenleben – Soziologie, Ethikfragen, Kosmologisches, Religion ‚Die Welt des Göttlichen‘, Herausforderungen durch das Politische. Die Sammlung umfasst Texte, die ich z.T. bereits vor einigen Jahrzehnten skizziert und fortlaufend vervollständigt habe. Auch diese bisherige Sammlung soll weiterhin mit geeigneten Beiträgen ergänzt werden.

Mit der weiteren Sammlung www.Sternenstaub-Verwandlungen.de soll es jetzt im Wesentlichen um Folgendes gehen: Ich möchte komprimiert fortentwickeln und zusammenfassen, was es eigentlich mit unserer Einbindung in dieses Dasein auf sich hat. Das ist – wie man zu genüge weiß – in der Menschheitsgeschichte immer wieder von Neuem in Angriff genommen worden, selbstverständlich aber  stets nur nach dem jeweils vorhandenen Kenntnisstand über die tatsächlich vorgegebenen Daseinsbedingungen.

Und genau hier beginnt jetzt für mich auch wieder ein „neuer“ Denkansatz. Ich will mich nicht unnötig damit aufhalten, mit welchem Wirklichkeitsverständnis sich die Menschen früherer Generationen auseinander zu setzen hatten. Sondern ich staune vor allem darüber: was man inzwischen alles im Lauf der Menschheitsgeschichte über die Beschaffenheit der Wirklichkeit, in der wir leben, in Erfahrung gebracht hat. Und kann so völlig neu danach fragen, was es mit den Rätseln dieses Daseins auf sich hat – vordringlich bezogen darauf, wie hier die Grundvoraussetzungen für die eigene Lebensgestaltung zu bewerten sind. Im Wesentlichen und „auf den Punkt gebracht“ die Frage also: Wofür sind wir da? In welcher Daseinsbindung leben wir? 

Alles, was wir für uns selbst über unsere Daseinswirklichkeit in Erfahrung bringen können, geschieht über unser Wahrnehmungsvermögen – ausgerichtet auf unsere erfahrbare Umwelt. Und durch unser Denkvermögen, mit dem wir diese Außenwelterfahrungen für uns selbst in unserer inneren Vorstellungswelt verfestigen. Dieses Denkvermögen findet – wie man weiß – Anwendung in der allergrößten Bandbreite von überaus folgerichtiger Verarbeitung der Außeneindrücke bis zu einer im Extrem rein spekulativen Fantasterei in völlig eigenen inneren „Ausgestaltungen“.

Mein gesamtes Denken hat die Ausrichtung: Verankerung in der empirisch vorfindbaren Außenwelt und damit verbunden „gedankliche Verarbeitung dieser so gewonnenen Daseinsgegebenheiten“.      

Als entscheidenden Ansatzpunkt hierbei nehme ich die Grenzfragen zu den Forschungsergebnissen insbesondere der Naturwissenschaft. D.h. – wo ganz eindeutig „verifizierbar“ die Naturwissenschaft an solche Grenzen stößt, bei denen alle weiteren Forschungsbemühungen unbedingt ins Leere laufen müssen, weil hier die „elementaren Sachzusammenhänge“ (tatsächliche Wirklichkeitsbedingungen) einer exakten Erforschung unmöglich noch weiter zugänglich sind. Das ist (so sehe ich das) der optimale Orientierungsbereich, um über ein „vernünftiges Wirklichkeitsverständnis“ zu einer eigenen ungetrübten Entfaltung zu finden. (Konkret: Im realen Daseinsgeschehen stoßen wir eben auf Phänomene, die zwar im Grunde auch zu dem „Erkundungsbereich“ der Naturwissenschaften zählen, die sich hier aber jeder gesicherten Forschungsmöglichkeit entziehen. D.h. bei der Beschäftigung mit den als real erfassbaren Daseinsgegebenheiten gelangen wir immer an letzte Grenzbereiche, bei denen wir mit unserem Erkenntnisvermögen auf unüberwindbare Grenzen stoßen. Hier können wir uns dann nur noch zu einigermaßen schlüssigen Vermutungen voran bewegen.)

Ich nenne dieses Vorgehen „die Auseinandersetzung mit dem Bereich der Grenz-Metaphysik“. Ganz entschieden soll das nicht als eine philosophische Ausrichtung in einer „spekulativen Beliebigkeit“ gewertet werden. Denn z.B. „Metaphysik“ im üblichen philosophischen Sinn wie überhaupt jedes Ausufern von Philosophie halte ich für Leerlauf  bei dem Bemühen um einen fundierten Erkenntnisgewinn.

Warum aber das Interesse an einen derartigen Grenzbereich? – Nach meiner Überzeugung ist es die Naturwissenschaft, die in der Menschheitsgeschichte zu einem wahren, realitätsnahen Verständnis aller erfahrbaren Daseinszusammenhänge geführt hat. Gerade die Naturwissenschaft beweist uns, zu welchen überragenden Erfolgen der Mensch gelangen kann, wenn das Erkenntnisvermögen äußerst sachbezogenen zum Einsatz kommt. Und genau aus dieser Einsicht heraus ist dann ein begründetes Weiterfragen möglich: Was hat es mit den letzten Rätseln unseres Daseins auf sich, die hinter dem Grenzbereich der von der Naturwissenschaft erforschbaren Wirklichkeit liegen?

Ich will in diesem Sinn  einige der Denkmöglichkeiten aufzeigen, mit deren Hilfe sich das Wirklichkeitsverständnis zu unserer Sternenstaubbeschaffenheit vertiefen und abrunden lässt.

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